Tarifvertrag it österreich

Die Gewerkschaftsdichte ist in Österreich seit den 1960er Jahren rückläufig. Dieser Trend ist hauptsächlich auf den langfristigen Strukturwandel von Wirtschaft und Beschäftigung zurückzuführen: In den Hochburgen der Gewerkschaftsbildung – insbesondere im verarbeitenden Gewerbe und im öffentlichen Sektor – ist die Beschäftigung zurückgegangen, was dem privaten Dienstleistungssektor zugute kommt, der tendenziell niedrige Dichteraten verzeichnet, insbesondere bei Frauen, Angestellten und atypischen Arbeitnehmern. In den 2000er Jahren hat sich dieser Trend erneut beschleunigt, insbesondere nach der Enthüllung der Beteiligung des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) am Finanzdebakel um seine ehemalige Bank BAWAG PSK. Zuletzt wurde jedoch seit 2016 seit drei aufeinanderfolgenden Jahren ein Mitgliederzuwachs verzeichnet, was auf einen vergleichsweise hohen Mitgliederzuwachs der Gewerkschaft der öffentlichen Angestellten (GÖD) zurückzuführen ist. Die Beteiligung der Gewerkschaften an der öffentlichen Politik gestaltung ist in Österreich insofern stark institutionalisiert, als der ÖGB und seine sieben Mitgliedsorganisationen in einer Reihe von Gremien und Ausschüssen vertreten sind – allerdings eher auf informeller als auf formaler (rechtlicher) Basis. Souveräne Aufgaben wie die Verwaltung von Renten oder Arbeitslosensystemen werden von ihnen also nicht wahrgenommen. “Gelbe Gewerkschaften” sind in Österreich aufgrund des engen Verfahrens der Anerkennung von Interessenverbänden als Sozialpartner, die über tarifliche Vereinbarungen verfügen, überhaupt kein Thema. Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter der Sozialwirtschaft in Österreich haben ihre Tarifverhandlungen abgeschlossen. Konsultations- und Mitbestimmungsrechte; Abschluss einer Betriebsvereinbarung mit der Geschäftsleitung in sozialen Fragen (nicht in Lohnfragen) Bestimmungen für unbezahlten Vaterschaftsurlaub von bis zu vier Wochen innerhalb der ersten zwei Monate nach der Geburt eines Kindes sind ebenfalls in einigen Tarifverträgen enthalten (z. B.

privater Bildungssektor, Bankwesen). In Österreich besteht eine klare Aufteilung der Verantwortlichkeiten zwischen tariflichen Vereinbarungen auf Branchenebene und betriebsbetrieblichen Betriebsverträgen. Während der Kernbereich der Festsetzung der Lohnsätze und der Höchstarbeitszeit im wesentlichen den Tarifparteien vorbehalten ist, beschränkt sich die Regelungskompetenz der Vertragsparteien fast ausnahmslos auf “soziale Angelegenheiten”, wie die Einführung computergestützter Personalinformationssysteme, die Festlegung der Start- und Endzeiten für die täglichen Arbeitszeiten oder die Terminierung von Pausen. Die einzigen lohnbezogenen Angelegenheiten, die in den regelungsrechtlichen Geltungsbereich von Betriebsverträgen fallen können, sind Lohnansprüche für die Teilnahme an Betriebsversammlungen , Gewinnbeteiligungssysteme, betriebliche Altersversorgungssysteme und dergleichen. Mit dieser Beschränkung soll sichergestellt werden, dass die Tarifvertragsparteien im System der Beschäftigungsregelung insgesamt Vorrang haben. Bei den in einem Tarifvertrag festgelegten Delegierungsklauseln werden einige Verhandlungskapazitäten in Bezug auf Arbeitszeit und – bis zu einem gewissen Grad – auch an die betroffenen Parteien auf Unternehmensebene delegiert, jedoch ausschließlich im Rahmen der sektoralen Tarifverträge. Aus historischen Gründen (bittere Klassenkämpfe in der Ersten Republik, Erfahrungen des Austrofaschismus und des Nazi-Regimes) ist das charakteristische Merkmal der Zweiten Republik ein starkes Bekenntnis zum Prinzip der harmonischen Zusammenarbeit. Im System der Arbeitsbeziehungen fand dieses Prinzip organisatorisch Seinen Ausdruck in der Schaffung kollektiver Interessenorganisationen, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer vertreten, die weit über die parteipolitischen Linien hinweg und frei von Rivalität sind.